aufgezeichnet von Willi Poschmann †
Als eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren des Wolfhager Landes wurde die Freiwillige Feuerwehr Breuna am 25. Januar 1899 gegründet. 68 Breunaer Bürger waren die Gründer, welche namentlich im Protokollbuch aufgeführt sind.
Am 25. Januar 1900 wurde zum ersten Mal der Vorstand gewählt: zum Brandmeister Carl Raabe, zum Stellvertreter Philipp Weymann. Die Wehr wurde eingeteilt in Steigermannschaft (16 Mann, Obmann Ludwig Hohmann), Spritzenmannschaft (24 Mann, Obmann Wilhelm Schwedes), Wacht- und Rettungsmannschaft (18 Mann, Obmann Mathias Braunsberg) und 3 Hornisten. Zum Kassierer wurde Joseph Braunsberg gewählt.
Aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg berichtet das Protokoll über zahlreiche Wohnungs-, Scheunen- und Waldbrände. Am 27. Mai 1908 brannten in der Ortsmitte 5 Wohnhäuser und eine Scheune nieder. Die Brandbekämpfung erwies sich als besonders schwierig, da es in Breuna noch keine Wasserleitung gab und man auf das Löschwasser aus Brunnen und dem offenen Gewässer an der Tränke angewiesen war.
Im Jahre 1910 wurde Ludwig Hohmann zum Brandmeister und Heinrich Fritze zum Stellvertreter gewählt. Durch Spenden der Mitglieder, Freunde und Gönner wurde die Beschaffung einer Vereinsfahne ermöglicht. Am 18. und 19. Juni 1911 fand das Fest der Fahnenweihe statt.
In den Jahren des Ersten Weltkriegs 1914–1918 wurde leider kein Protokoll geführt. Zahlreiche Feuerwehrmänner wurden zum Kriegsdienst eingezogen, viele kehrten nicht zurück.

Erst 1919 fanden wieder Übungen und Versammlungen statt. Die Unterkunft für die Gerätschaften war ein Fachwerk-Lehmbau mit Lehmfußboden von ca. 40 qm in der Ortsmitte, dort, wo heute noch der 1936 erbaute Schlauchtrockenturm an der Wolfhager Straße steht. Leitern und Einreißhaken waren an den Außenwänden untergebracht.
Die Wehr verfügte über eine Hand-Druckspritze sowie einiges Schlauchmaterial und Rettungsgerät (Leitern, Äxte, Leinen). Nach Fertigstellung der Wasserleitung 1915 wurde ein handgezogener Hydrantenwagen mit Schlauchhaspel, Standrohr, Verteiler und Strahlrohren beschafft – eine wesentliche Verbesserung des Brandschutzes. Die Löschwasser-Reserve im Hochbehälter am Braunsberg betrug 100 Kubikmeter.

Am 22. und 23. Juni 1924 feierte die Wehr ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Schauübung, Umzug und anschließendem Tanz. 26 Mitglieder wurden geehrt.

Im März 1925 berichtet das Protokoll von einem Großbrand in Oberlistingen: Die Wehr Breuna war nach 45 Minuten an der Einsatzstelle, ein Bauernhof brannte nieder. Im Mai 1925 brannte in Breuna ein Wohnhaus nieder. Die Gemeinde übernahm am 23. Juni 1925 einen Wechsel von 150,– Mark bei der Darlehnskasse Breuna für die Feuerwehr und bezahlte 7 Rettungsleinen sowie Verbindungsteile.
Am 10. Mai 1925 wird erstmals von einer Bezirksübung der Wehren Breuna, Wettesingen, Oberlistingen und Ehringen berichtet. Am 17. Dezember 1926 trug die Wehr ihren langjährigen Schriftführer und Kassierer Ludwig Wachenfeld (1913–1926) zu Grabe; Nachfolger wurde Karl Bodenhausen.

Am 24. Mai 1932 wurde Brandmeister Ludwig Hohmann für seine 25-jährige Führungstätigkeit geehrt. Im Dezember 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, trat er zurück. Als neuer Führer der Wehr wurde Gast- und Landwirt Justus Schwedes einstimmig gewählt.
1936 wurden die bis dahin vereinsmäßig organisierten Feuerwehren zu öffentlichen Einrichtungen umgewandelt und als Feuerschutzpolizei der Polizei einverleibt. Diese Umwandlung brachte große Unruhe in die Reihen der Freiwilligen Feuerwehren und erschwerte den Neubeginn nach dem Krieg erheblich. Am 13. April 1936 übernahm Maurer Hermann Dillschneider das Amt des Schriftführers und Kassierers, am 10. September 1937 wurde der Elektriker Karl Poschmann Wehrführer. Das alte Protokoll endet am 8. August 1938.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ein großer Teil der Männer zum Kriegsdienst einberufen; die verbliebenen Feuerwehrmänner wurden durch Pflichtfeuerwehrmänner ergänzt. 1942 erhielt die Wehr ihre erste Tragkraftspritze – eine TS 8/8 Meyer-Hagen mit vollgummibereiftem Anhänger.
Mehrfach war die Wehr zur Brandbekämpfung und zu Aufräumarbeiten im zerbombten Kassel eingesetzt. Sie bestand fast ausschließlich aus Invaliden und Jugendlichen. Nach dem Einzug der amerikanischen Truppen im April 1945 wurde das alte Gerätehaus ausgeplündert, Karl Poschmann als Ortsbrandmeister abgesetzt. Die Tätigkeit der Feuerwehr ruhte zunächst vollkommen.
Nach der Währungsreform 1948 begann der Wiederaufbau. Im März 1951 fanden sich 66 Breunaer Männer in der alten Schule ein und wurden durch Unterschrift Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Breuna. Unter dem alten Leitspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ war die Wehr wieder ins Leben gerufen.
Bei der Wiedergründungsversammlung am 12. März 1951 wurde die Wehr in aktive, passive und Ehrenmitglieder eingeteilt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Hermann Schwedes, zum 2. Vorsitzenden Hermann Dillschneider gewählt, Schriftführer und Kassierer wurde Karl Wagner. Am 26. Mai 1951 wurde das 50-jährige Bestehen gefeiert. Im selben Jahr trat das neue Hessische Brandschutzgesetz in Kraft – Brandschutz war nun Pflichtaufgabe der Gemeinden.

Am 6. und 7. Juni 1953 fand in Breuna der Kreisverbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Wolfhagen statt. Das neue Feuerwehrgerätehaus am alten Standort wurde eingeweiht – erstmals mit eigenem Schulraum im Dachgeschoss.
Im Dezember 1953 wurde Willi Poschmann, der zuvor einen Ortsbrandmeisterlehrgang an der Hessischen Landesfeuerwehrschule absolviert hatte, zum Ortsbrandmeister gewählt. Nach Fertigstellung der Wasserleitung in Rhöda wurde dort am 18. September 1954 eine Löschgruppe gegründet.

Ende 1956 wurde eine neue Tragkraftspritze TS 8 der Firma Heines aus Wuppertal beschafft. In den folgenden Jahren nahm die Wehr regelmäßig an Leistungswettkämpfen teil; die Löschgruppe Rhöda wurde mehrfach Kreissieger im Knoten.

1960 warb Kreisbrandinspektor Schäfer für die Aufstellung einer Feuerwehr-Bereitschaft im zivilen Bevölkerungsschutz, dem heutigen Katastrophenschutz. Wegen der großzügigen Ausrüstung und Ausbildung durch den Bund folgte die Wehr Breuna dem Appell – ein Schritt, der bis heute dem örtlichen Brandschutz zugutekommt.
Bereits 1961 übernahm die Wehr ein vom Bund finanziertes, geländegängiges „Unimog“-Tanklöschfahrzeug TLF 8. Die Besatzungen wurden an der Katastrophenschutzschule Johannisberg im Rheingau kostenlos ausgebildet.
Kurz vor der Auflösung des Landkreises Wolfhagen konnte die Gemeinde mit Hilfe des Landkreises und der Hessischen Brandversicherungsanstalt ein Löschgruppenfahrzeug LF 8, Typ Opel Blitz, kaufen. Es leistete bis 1986 gute Dienste. In den 70er Jahren folgten Schaumausrüstung, schwere Atemschutzgeräte und Wetterschutzkleidung.

Im Frühjahr 1970 wurde in Breuna eine Jugendfeuerwehr gegründet – seitdem hat sie immer ausreichend Mitglieder. 1971 richtete Breuna den Verbandstag des Wolfhager Landes aus. 1972 wurde die Feldküche des Katastrophenschutzes von Ehringen nach Breuna verlegt.
Nach dem Zusammenschluss der Gemeinden wurde Willi Poschmann im Januar 1973 zum Ortsbrandmeister der Großgemeinde gewählt, Heinrich Flörke wurde Wehrführer der Wehr Breuna. 1977 trat Willi Poschmann nach 24 Jahren zurück und wurde zum Ehrenbrandmeister ernannt; Nachfolger wurde Bernd Hornschu aus Oberlistingen. 1982 übernahm Friedhelm Döring die Wehrführung, Stellvertreter wurde Eberhard Hesselbein.
Das alte Gerätehaus war längst zu klein. Mit Unterstützung des Landes Hessen, des Landkreises Kassel und der Hessischen Brandversicherungsanstalt wurde 1979 ein neues, modernes Feuerwehrgerätehaus gebaut und Anfang 1980 feierlich übergeben. Die Mitglieder brachten dabei 1.085 Arbeitsstunden Eigenleistung ein.
Am 28. August 1983 wurde eine neue, durch Spenden finanzierte Vereinsfahne im Wert von 4.000 DM übergeben; die alte Fahne wird eingeschweißt im Gerätehaus aufbewahrt.

Als Ersatz für das ausgemusterte TLF 8 übergab der Bund im Juli 1984 ein LF 16 TS, Typ Magirus. Im April 1988 kaufte der Verein einen ausgemusterten Polizeibus und baute ihn in Eigenleistung zum Einsatzleitwagen um.
Im Dezember 1988 kaufte die Gemeinde ein neues LF 16, Typ Mercedes-Benz, Aufbau Schlingmann – bereits mit hydraulischer Rettungsschere und Spreizer. Damit gelang der Durchbruch bei der technischen Hilfeleistung, und die Wehr wurde fortan zur Amtshilfe auf die A 44 gerufen.
aufgezeichnet von Thomas Epler
Im Mai 1989 bezog die Löschgruppe Rhöda eine umgebaute Scheune als eigenes Feuerwehrhaus. Im Dezember brannte die Halle der Textilkonfektion Vogt im Gewerbegebiet am Bachmann aus, in der große Mengen Stoffballen lagerten.
1990 ersetzte ein VW-Bus T3 den ersten Polizeibus, 1991 übernahm die Küchenmannschaft einen neuen Feldkochherd Kärcher FK 91. Von 1992 bis 2002 führte Dirk Bräutigam die Wehr. Am Kirmes-Samstag 1993 brannte die Gaststätte „Zur Tenne“ aus.
1994 wurde Friedhelm Döring zum 1. Vorsitzenden gewählt, Willi Poschmann zum Ehrenvorsitzenden ernannt; 1995 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Seit Dezember 1998 ist die Feuerwehr Breuna per Erlass des Hessischen Innenministeriums offiziell Autobahnfeuerwehr – vorher wurde sie nur zur Amtshilfe gerufen. Am 23. Februar 1999 verstarb Willi Poschmann unerwartet.

Von der Berufsfeuerwehr Karlsruhe kam ein gebrauchtes TLF 24/40 – mit 4.000 Litern Wasser, 400 Litern Schaummittel, Dachmonitor, Schere und Spreizer, 20-kVA-Aggregat und Beladung für zwei Gruppen das größte Löschfahrzeug aller Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Kassel. Über ein Jahrzehnt war es der ganze Stolz der Wehr.
Im selben Jahr wurde die Feldküche des Katastrophenschutzes zum Roten Kreuz nach Wolfhagen versetzt. 2002 wurde Marc Döring Wehrführer und blieb es zwei Wahlperioden bis 2012.

Die Wehr kaufte einen PKW-Anhänger mit Planenaufbau für Nachschubmaterial – er ist bis heute in Betrieb. Im Dezember 2004 brannte in der Volkmarser Straße ein Wohnhaus aus; wegen Wasserschaden und Winterfrost konnte es nicht mehr gerettet werden.

2006 ersetzte ein gebrauchter VW-Bus T4 vom Bundesgrenzschutz den Ford Transit. 2008 konnte nach Jahren ohne Feldküche eine Kärcher FK 250 aus Bundeswehrbestand für 3.500 € ersteigert werden – teilweise aus Spendengeldern. 2011 kam ein Mercedes-Benz Vito als Einsatzleitwagen; alle Umbauten finanzierte die Wehr selbst und nahm sie teilweise selbst vor. Im Frühsommer 2011 feierte die Jugendfeuerwehr ihr 40-jähriges Bestehen.
Als Ersatz für den gealterten „Dreiachser“ schaffte die Gemeinde ein neues StLF 20/25 mit 3.000 Litern Wasser und hydraulischem Rettungssatz an – bis heute eine Hauptstütze der Wehr, gerade bei Verkehrsunfällen auf der A 44, der B 7 und im Gemeindegebiet. Stefan Raabe wurde Wehrführer (bis 2022). 2013 kam durch Spenden eine Wärmebildkamera hinzu; Thomas Epler folgte auf Friedhelm Döring als 1. Vorsitzender.
Das Feuerwehrhaus von 1979 wurde um eine Fahrzeughalle mit drei Toren erweitert, die alte Halle zu Umkleiden, Lager und Werkstatt umgebaut. Beim Einweihungsfest im September 2014 wurde Friedhelm Döring zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 2015 kam der Digitalfunk, bis 2017 wurden Sozialräume und Schulungsraum in Eigenleistung renoviert.
Im Juni 2017 fanden nach 18 Jahren wieder die Kreisfeuerwehrverbandstage in Breuna statt. In der folgenden Sonntagnacht brannte im Chattenweg eines der ältesten Breunaer Häuser nieder; dank mehrerer Nachbarwehren und Drehleitern griff das Feuer nicht auf die eng stehenden Nachbarhäuser über.

Im September 2019 wurde ein modernes HLF 20 (Mercedes-Benz Atego 1530, 1.600 Liter Wasser, hydraulischer Rettungssatz) übergeben – als Ersatz für das robuste LF 16 nach 31 Dienstjahren. Ab März 2020 legte die Corona-Pandemie den Übungsdienst für ein halbes Jahr still.
Im August 2021 kaufte der Verein einen gebrauchten Kühlanhänger zur Vermietung, im September ersetzte ein Mercedes-Benz Sprinter den alten MTW – überwiegend finanziert aus Spenden, Fördermitteln der Gemeinde und Vereinsgeldern und wie immer in Eigenregie umgebaut. Zum Jahresende wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen; die Gemeinnützigkeit folgte 2023.
Mit zwei Jahren Verspätung feierte die Jugendfeuerwehr im Mai 2022 ihr 50-jähriges Jubiläum. Im Juli gab es an einem Tag gleich zwei bedrohliche Waldbrände an der A 44. Im November wurde Patrick Wagner Wehrführer, nachdem Stefan Raabe zum Gemeindebrandinspektor gewählt worden war.
Im Januar 2024 wurde das 125-jährige Bestehen mit einer Feierstunde begangen, im Juni bildeten die Kreisfeuerwehrverbandstage des Wolfhager Landes in Breuna den festlichen Rahmen. Die Freiwillige Feuerwehr Breuna zählt 398 Mitglieder, davon 60 Aktive und 19 Angehörige der Jugendfeuerwehr.

Aus dem Archiv
Über eine lustige Begebenheit berichtet der Chronist anlässlich des Besuchs eines Feuerwehrfestes im westfälischen Warburg.
Es war Hochsommer. Die Bauern spannten ihre Pferde vor die um diese Zeit aufgerüsteten Leiterwagen. Die Männer traten die Fahrt in voller Uniform und einsatzmäßiger Ausrüstung an. Und mit dabei: die Feuerwehrfrauen.
Weil die Leiterwagen unten sehr schmal waren, konnte jeweils nur eine Person der Länge nach Platz nehmen und musste ihre Beine durch die Leitersprossen stecken. Bei der Ankunft in Warburg hat der so beladene Wagen bei den Zuschauern wohl einige Belustigung hervorgerufen, und man hörte die Rufe: „Oh, was habt ihr dicke Feuerwehrfrauen!“ Antwort einer Feuerwehrfrau: „Wir können aber auch spritzen!“ Sagen wollte sie damit, dass die Breunaer Frauen über die nötige Kraft verfügten, um die Handspritze zu betätigen, wozu eine Menge Körperkraft erforderlich war.
Auf dem Fest wurde kräftig gefeiert. In vorgerückter Stunde, nach entsprechendem Alkoholgenuss, geriet die Breunaer Wehr in einen Streit mit anderen Feuerwehrmännern. Es kam zu einer „Keilerei“, bei der die Breunaer in Bedrängnis gerieten. Vom damals „legendären“ Brandmeister Ludwig Hohmann, Maurermeister und Hausschlachter, kam das Kommando: „Beile frei!“ (Ein Beil gehörte zur Ausstattung eines jeden Feuerwehrmannes.)
Als sich die Gegner den blanken Beilen gegenübersahen, zogen sie sich ohne weitere Kampferprobung zurück. Die Breunaer fühlten sich als Sieger und kehrten nicht ohne Stolz in ihren Heimatort zurück.
Da kann man nur sagen: Schlagfertige Wehr – schlagfertige Frauen!
Quelle: Auszug eines Artikels aus der Zeitschrift „Desenberg Bote“ von 1989

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